interessante artikel zur wahrnehmung des adels

In der allgemeinen Guttenberg-Rezeption wird die Adelsherkunft ganz bereitwillig in Kontrast gesetzt zu den blassen, prinzipienlosen Eliten des Karrierismus und Berufpolitikertums, zu jenen also, die uns vor der Wirtschaftskrise nicht haben bewahren können. Michael Glos, der Müllerssohn ohne einen Großonkel im Widerstand, hat gar vom ersten Tag an keine Lust auf seine Aufgabe als Minister gehabt! Dagegen gerät jetzt beim Nachfolger die Verwandtschaft zum Argument für die Qualifikation.

Süddeutsche Zeitung: Adel und Elite - Der Stauffenberg-Effekt

Man ist schon wer. Man ist es qua Geburt. Das ist das eigentliche Privileg, mit dem der Adel heute aneckt. Es befreit ihn, im Idealfall wenigstens, der aber gar nicht so selten auch ein Realfall ist, es befreit ihn also von diesen Kämpfen und Krämpfen des sozialen Aufstiegs, die einem im Hochkapitalismus aufs Gemüt schlagen. Doch liegt in diesem “Schon-wer-sein” eben auch eine Verpflichtung. Und die empfinden offenbar Leute wie Guttenberg sehr stark. Es ist die Verpflichtung, vor den eigenen Altvorderen, wenn man die Ahnengalerie abschreitet, zu bestehen. Da liegt ein Leistungsdruck, den viele Menschen gar nicht kennen.

WELT: Warum adelige Politiker Deutschland gut tun

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